Ein bisschen Weihnachten in Kuba


Die Leser mehrerer bayerischer Zeitungen sorgten für strahlende Kinderaugen – die Initiatoren Kornelia Doren und Wofgang Ziegler können ein Lied davon singen

Nächtelang konnte José Luis nicht gut schlafen. Zu groß war die Aufregung für den Neunjährigen. Der Grundschüler aus Maguana wusste seit Wochen, es kommen Räder in sein Dorf in der ostkubanischen Provinz Guantánamo. Es sei ein Geschenk von Eltern aus Ostbayern an Schüler aus Ostkuba. Das hatte jedenfalls der Schulleiter seinen Kindern gesagt. José Luis fand das prima, sind auf Kuba doch Fahrräder für Kinder so unerschwinglich wie Autos für Erwachsene. Nur, wann würde es so weit sein? Wie würde das Rad aussehen? Und dürfte er es wirklich behalten? Die Aufregung war nicht nur für José Luis groß. So manche Schüler im Alter von sechs bis zehn Jahren stellten sich in Ostkuba solche Fragen. Da die Spendenbereitschaft der Zeitungsleser so überwältigend groß war, bekamen insgesamt 154 Schüler an vier Grundschulen eines der gespendeten Fahrräder. Dass es dazu kam, ist der großartigen Unterstützung der Mittelbayerischen Zeitung unter Leitung der Reiseredaktion von Wolfgang Ziegler zu verdanken, die als erstes Medium ohne "wenn" und "aber" den Spendenaufruf veröffentlichte und immer wieder über einzelne Spendenetappen berichtete.

Schlaflose Nächte in Ostkuba


Am 30. November, dem Tag der Übergabe, war es endlich vorbei mit der Ungewissheit und den schlaflosen Nächten. 20 Kinder in der landesüblichen Schuluniform sahen zu, wie Punkt 12 Uhr mittags der türkisblaue Laster des kubanischen Erziehungsministeriums scheppernd vor ihrer Schule hielt. Mit erstaunlich großer Geduld standen die Kleinen bereit, ihr Fahrrad entgegenzunehmen. Assistiert von Schuldirektor Luis, der die Schüler zu sich gerufen hatte, schrieben sie in Schönschrift ihren Namen auf die Empfangsbestätigung. Und dann endlich gab es ein Fahrrad – in Rosa, Blau, Rot oder Silber. Jedes Kind durfte sich seine Lieblingsfarbe aussuchen. Nach und nach folgten die anderen Grundschulen.


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Ein emotionales Ereignis


Das Projekt "Kinderfahrräder für Kuba" begann im Oktober mit einem Spendenaufruf in einigen bayrischen Zeitungen in Zusammenarbeit mit den kubabegeisterten Journalisten Wolfgang Ziegler und Kornelia Doren. Die Münchnerin Doren beobachtete im letzten Jahr, während einer Reise durch den Osten des Landes, dass Drahtesel auf der größten Antilleninsel echte Mangelware sind. Da war es dann wirklich ärgerlich, wenn man auf der Straße vor ihrer Münchner Haustüre, in den Hinterhöfen und Kellern noch gute, fahrtüchtige gute Räder vor sich hinrosten sehen musste. Kornelia Doren verspürte den Wunsch, die ungenutzten Räder an die Stelle zu bringen.

Bild2Neben verschiedenen bayrischen Zeitungen halfen erstaunlich viele Firmen mit, wie das Regensburger Zweirad-Center Stadler, der Ferienflieger Condor oder der Radhersteller Gazelle. Kubanische Institutionen wie das Cubanische Fremdenverkehrsamt, die Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba und die Botschaft der Republik Cuba unterstützten das Spendenprojekt. Kornelia Doren hat das soziale Hilfsprojekt für kubanische Kinder als besonderes emotionales Ereignis empfunden. "Ich freue mich riesig, dass alle gespendeten Räder direkt bei den Kindern angekommen sind", sagt sie. "Nicht nur Schüler, auch Eltern, Lehrer, Großeltern und die Direktoren haben gestrahlt. Es war ein Akt der Verbundenheit unter Menschen, die sich gar nicht kennen. Das ist für mich echte Solidarität. Die spontane Hilfsbereitschaft in und außerhalb Ostbayerns hat mich sehr berührt."

Eine Bildergalerie und weitere Informationen finden Sie unter ostbayern-ostkuba.jimdo.com.